Donnerstag, 14. Januar 2016

Der Kampf Nr. 5 & 6: Marathon Xtreme (Teil 4)

Alles ist schlecht. Nur Mami ist gut.

Wir mussten schon wieder warten.
Erst wenn eine Kommission komplett fertig war, durften alle gehen und einige wurden zurückgerufen.
Ich natürlich nicht. Ich bitte euch. Ich kann froh sein, dass ich nicht zurückgerufen wurde, weil sie mir sagen wollten, welch eine Schande ich für alle sei.

Soo, auch wenn es mir mega kacke geht und ich keinen Bock auf gar nichts habe, muss ich jetzt mit Menschen interagieren, sonst besteht die Gefahr das Wochenende ganz alleine und mega gelangweilt in München zu verbringen.
Da ergab sich der glückliche Zufall, dass eine Wienerin das gleiche Problem wie ich hat, am Montag auch an der Everding vorspricht und ebenso wenig Plan wie ich hat, was sie tun könnte. Letztendlich formierten wir uns zu einer großen Gruppe der Gescheiterten, die jetzt erstmal etwas zu Essen braucht und sich heute Abend besäuft.
Perfekt.
Schnell die wiener Nummer bekommen und dann ging es erstmal zurück zum Hostel. Die anderen würde ich ja eh am Abend wiedersehen.

Wieder angekommen, fragte ich sie gleich nochmal nach der genauen Adresse. Keine Reaktion.
Mal kurz anrufen. Die Nummer ist nicht vergeben. Habe ich auch die Ländervorwahl nicht vergessen? Nein, alles schick, aber nichts passiert.
Geil! Geil, geil, geil! 
Nicht klappt heute auch. Jetzt sitze ich hier in meinem Hostelzimmer mit 9 Asiaten, von denen nur ein paar eetwas englisch sprechen können. Für tiefgründige Gespräche zu wenig. In die Hostelbar will ich auch nicht. Da sind alle dann dort, unterhalten sich laut und je nach Alkoholspiegel gröhlend und alle sind happy. Alle außer ich.
Zum Besäufnis der Gescheiterten ist mein Weg auch gescheitert.
What next?

Wenigstens hat meine Mutter mir ihre korrekte Nummer gegeben, also rufe ich sie an.
Eine ganze Stunde lang habe ich mir bei ihr die Augen ausgeheult. Wie doof das Vorsprechen doch war, dass ich alles verkackt habe, obwohl ich doch alles besser machen wollte und dass das so eine wundervolle Schule war, die überhaupt nichts an Unfreundlichkeit versprüht hat und an der man sich nur wohlfühlen konnte und ich es trotzdem verkackt habe und dass das Hostel voll blöd sei, ich GAR NICHT schlafen konnte und ich jetzt forever alone ein Wochenende ich München verbringen darf, ohne Geld zu haben. 
Ob ich nicht nach Hause kommen will fragte sie mich.
Einerseits schon, aber andererseits...
Hallo?!?! Ich habe immer noch ein Vorsprechen, ich habe dafür und für das Hostel bezahlt. Nur weil jetzt gerade alles kacke ist, kann ich doch nicht einfach so aufgeben.
Nein. Ich muss mich irgendwie aufrappeln und dass ich einfach mal ordentlich reden konnte hat schon mega geholfen. 
Am Montag kann es nur besser werden! 
Am Montag muss es besser werden! 
Ich kann das so nicht stehen lassen!

Der Kampf Nr. 5 & 6: Marathon Xtreme (Teil 3)

Sie können mich gar nicht unterbrechen, ich beende meine Szenen einfach selbst!! HAHAAA!

Im Studio.
Drei mega lockere Dozenten und ein Student. Alles ist mega dunkel. Dunkler als gewöhnlich.
An der Falckenberg durften wir mit allem anfangen. Ich hätte auch eeendlich mal mein Lied nehmen können, aber nö. Ich nehme das Blind Date, meine eigene Szene.
"Hey, Chickmagnet95? Ja, wir waren verabredet.",
"Dankeschön!"
WHAT THE FUUUUUUUCK?!?!?!?!?!?!?!
Das waren zwei Sätze. Zwei fucking Sätze!!!!
"Setz' dich mal dorthin, du bist jetzt Chickmagnet95." (Hat der eine Dozent zum Studenten gesagt.)
Dann nochmal von vorne.
Whoooa. Leute, macht das nicht nochmal mit mir!! Mein Puls ist noch höher, als er eh schon ist.
Aber ja. Nochmal das Blind Date von vorne. Ich trinke aus meinem Kaffeebecher und zittere volles Rohr. Ungeplante Übersprungshandlungen und der Student schaut mich die ganze Zeit so total bescheuert an. Ich muss schauen, dass ich nicht lache.
Total nervös und verpeilt war ich. Aber gut, das ist eigentlich gar nicht schlecht für diese Rolle.
Ich durfte sie zu Ende spielen und am Ende wurde gelacht. Yeeeey.
Dann wollten sie Antigone sehen.
Hmkay. Also nicht Juli wie immer und Nina auch nicht. Auf die hätte ich aber mehr Bock gehabt. Oder? Ich weiß es nicht. Ich bin total zittrig und kann mich gar nicht konzentrieren.
Und dann wird mir schwindelig. Und schwarz vor Augen.
JAAAAA! Geil man! Einmal beim Vorsprechen zusammenbrechen! GEIL GEIL GEIL Katha!!!!

Ich konnte mich fangen.
Jetzt Antigone. Erster Satz verkackt. Zweiter Satz verkackt. Ich veruche mich zu fangen, komme etwas durch und dann, Blackout.
So, jetzt ist es offiziell, es ist vorbei. Ich spielte noch den Ausbruch, den Wahnsinn, machte meinen Onkel lächerlich und spielte den Absatz zuende. Danach unterbrach ich mich selbst.
Ich konnte nicht mehr weitersprechen. Nicht, weil ich es nicht konnte *theatralischdenkopfindennackenwerfundhandrückenaufdiestirnschlag* sondern, weil ich eh keinen Text mehr im Kopf hatte. Und bevor ich unterbrochen werde, ist meine Szene einfach schon zuende. That's it.

Mittwoch, 13. Januar 2016

Der Kampf Nr. 5 & 6: Marathon Xtreme (Teil 2)

Lektion 1: Hostels sind cool. Aber nicht, wenn du ein Vorsprechen hast!

ES                               WAR                             SCHREEECKLICH!!!!!!!!

Einfach nur schrecklich, schrecklich, schrecklich, schrecklich schrecklich!
Eine viel zu heiß gestellte Heizung, Metalldoppelstockbetten, die bei jedem Wimpernschlag ganz fürchterlich knarzen (und bei 10 Leuten kann es vorkommen, dass da mal einer mit der Wimper schlägt), eine Matratze, die es nicht würdig ist sich Matratze zu nennen (ich hätte mich auch gleich auf das Metallrost legen können), die zu allem Überfluss noch mit so einer ekelhaften Plastikfolie überzogen ist (passend dazu Hausregel Nummer 8: "If you need to vomit, consider to clean it up by yourself. Otherwise we have to charge you for a cleaning fee of 30€ [...]") und sage und schreibe 45 Minuten Schlaf.
Klasse, Katha. Einfach klasse! Das wird dein Tag. Ganz genau.

Gut, ich darf jetzt nicht weiter über mein Leben jammern. Was passiert ist, ist passiert. Damit muss ich umgehen können. Ich hole mir jetzt einen Kaffe. Groß und schwarz. As usual. Dann bin ich bestimmt etwas fitter. Außerdem gibt es doch sicherlich ein Warmup und dann werde ich eh wieder so krass unter Adrenalin stehen, dass ich gar nicht auf die Idee kommen kann müde zu sein.

DAS WIRD TROTZDEM MEIN TAG!!!

Irgendwie habe ich es dann doch geschafft, eine Stunde zu früh zu erscheinen. Die Türen waren nichtmal offen. Toooooll. Aber hey, ich komme zumindest nicht zu spät und ich bin auch schon wieder etwas wacher.

Das Übliche wie immer passierte dann.
Warten, bis wir begrüßt werden, in der Zwischenzeit den üblichen Vorsprechsmalltalk halten. Mit Leuten, die man gar nicht kennt, mit Leuten, die man irgendwie schon mal gesehen hat, aber nicht weiß woher und so weiter.
Mittlerweile kann ich mich ja gaaaanz langsam als alten Hasen bezeichnen. Oder zumindest nicht mehr als Noob.
Eine 17-Jährige, die gerade Abi macht und heute ihr erstes Vorsprechen hat und natürlich meega nervös ist.
Ach Gottchen. Ich mag sie. Vielleicht weil vor etwas mehr als einem Jahr ich auch in der exakt gleichen Lage wie sie war.
Unsicher fragte sie, ob das denn okay ist, schon so jung anzufangen und weil wir alle schon so viel älter sind.
Ehem. 18. Ja, so viel älter...
Was soll ich sagen. Ich habe auch mit 17 angefangen. Es wäre blöd zu sagen, dass es eine doofe Idee war. War es auch überhaupt nicht! Ich bin froh, so früh angefangen zu haben. Wenn ich an mein erstes Vorsprechen denke, oh Gott, das will ich gar nicht!
Naja, so weiß ich schon ein wenig wie der Hase läuft und das ist doch gut so.
Man muss sich nur damit anfreunden, dass alle anderen wohl schon etwas älter sind und mir kommt es so vor, dass die Schulen es auch lieber haben, wenn du kein Teenager mehr bist (Oh Goooott, ich bin ja auch noch einer :O).
Warm-up, Begrüßung, Einteilung in die Kommissionen.
Ich verpeil es natürlich, dass ICH jetzt in der ersten Kommission bin und verpasse den Anschluss.
Überall (Naja fast. Also nicht ganz. Zwei/drei mal oder so.) höre ich meinen Namen. Ob jemand weiß wo ich bin.
Aber ja, es lief ja doch noch alles gut und so sitze ich vor dem Studio, zusammen mit einen Studenten und warte dass ich hineingehen darf.

Donnerstag, 7. Januar 2016

Der Kampf Nr. 5 & 6: Marathon Xtreme (Teil 1)

Prolog

Heute schreibe ich nicht aus dem Bus, sondern aus dem Hostel, denn im IC gab es natürlich kein W-lan. Jep, die Katha hat sich heute mal Zug und Hostel gegönnt. Wohin es ging? Nach München.
Hier nehme ich natürlich gleich alles mit, was es gibt, morgen Falckenberg, Montag Everding.

Ich fühle mich mega gut. Hatte viel Zeit, mich um meine Rollen zu kümmern, habe endlich eine Tschechowrolle gefunden (weil UdK und so, deren Pflichtautor dieses Jahr Tschechow ist), freue mich, meine eigene Szene vorspielen zu dürfen, welche schon positive Resonanz von meiner Theatercrew angezogen hat, bin gar nicht mehr soooo aufgeregt und ich freue mich einfach, auf die Schule, auf die Studenten, meine Mitbewerber und auf schon bekannte Gesichter.
DAS WIRD MEIN TAG!!

Soo, nun husch husch ins Bett. Denn an der Falckenberg geht es schon 8:30 Uhr los.

Samstag, 12. Dezember 2015

Le1212 - Imagine

Wo kommen wir nur hin? Auf der Straße treffe ich zufällig meinen Kommilitonen und Kumpel aus Kolumbien. Es ist hier fast wie bei ihm zu Hause in Kolumbien. Ja, nach hause, das neue Zuhause in Leipzig. Dahin kommt er gerade gar nicht mehr, weil die Polizei alles gesperrt hat.

Wasser, Rauch, Hubschrauberdröhnen, das Klappern der auf der Straße liegenden Schilder, Flaschen, ein Umgefallenes Dixieklo, herumrennende Menschen und irgendwo, aus einer Box spielt Imagine.

Was passiert hier? Alles wirkt so unwirklich. Ich laufe die Straße hinunter, wollte mich mit jemanden treffen um gemeinsam gegen die rechte Hetze zu demonstrieren. Sie ist schon gegangen. Sie hat keine Lust auf Eskalation. Ich soll auf mich aufpassen. Ich laufe weiter.
"Kathaa" höre ich. Wer ruft mich? Eine andere Freundin.
Wir laufen zusammen die Straße hinunter. Vorbei am Feuer, an auf der Straße liegende Schilder, zerbrochenem Glas. Steine. Steine auf der Straße. Lauter Steine und Scherben. Und Rauch. Gesäumt von den so schönen bunten Häusern der Karli. Die haben zu. Oder viele. Besser ist, denn das Tränengas zieht auch in die Läden, wie wir erzählt bekamen.
Ich habe auch Tränen in den Augen. Egal ob es vom Gas kommt, oder von der Fassungslosigkeit.
Am Ende ist es egal.

Wir müssen rennen. Vor uns werden Leute von Polizisten geschubst. Von der harten schwarzen Mauer, die sich auf uns zu bewegt. Von der anderen Seite kommen die Mauersteine angerannt und rennen und schubsen um, was ihnen nicht aus den Weg geht. Diese Mauersteine, die doch eigentlich keine Mauersteine, sondern Menschen sind. Menschen sollten doch Verstand haben? Oder ein Gehirn. Aber wenn man mit ihnen Kommunizieren will, redet man gegen eine Wand.
Eine Wand, die auch mal ausholen kann. Nicht nach uns, aber wir waren dabei.
Warum rennen sie uns um, kesseln uns ein, besprühen uns mit Tränengas und schreien uns an? Ich habe keine Mülltonne angezündet, meine Leute auch nicht. Aber das ist ihnen egal. Entweder du bist bei den Nazis, oder bei den Antifas. Oder du sitzt zuhause in deiner Wohung. Dann ist gut. Aber wenn du gerade jetzt auf der Karli bist, dann bist du ein gewaltätiger Linksextremist. Du bist es einfach. Sonst wärst du nicht auf der Straße. Wieder rennen.

Wieder stehenbleiben. Zeit zum umgucken, Zeit zum Lächerlichmachen der Nazis und der Polizei. Zeit zum Nachdenken. Was passiert hier gerade? Unsere Parolen, normalerweise gegen die Rechten, gehen heute gegen die Mauer. Die Mauer, die Aggressivität und Gewalt mit Aggressivität und Gewalt bekämpft, aber blind ist, wer gerade aggressiv und gewalttätig ist. Die Mauer, die doch eigentlich uns schützen und deeskalieren soll.
Tja, dieser Job wird nicht erfüllt. Jeder provoziert jeden.
Wie bei den Pferden. Druck erzeugt Gegendruck. Vor allem bei dominanten Pferden. Deshalb, wenn das Pferd gerade auf Krawall gebürstet ist, solltest du ruhig bleiben. Dann beruhigt sich das Pferd wieder. Sogar Ramona. Es ist so einfach.

Imagine.
Welch ein zeitloses Lied. Wundervoll, wenn Musik so gut ist, dass sie zeitlos ist. Außer bei Imagine. Imagine muss irgendwann mal out of time werden. Aber sowas von.
Aber davon sind wir noch weit entfernt.

Vor allem heute. Am 12.12.2015

Mittwoch, 25. November 2015

Der Kampf Nr. 4: Dieser Moment, wenn du wieder feststellst, dass du doch auf die Bühne und nicht in den Hörsaal gehörst (Teil 2)

Immer diese gefühlte Ewigkeit, die es dauert, bis man wieder zu der Kommission hineingerufen wird. Dieses Mal aber nicht einzeln, sondern alle zusammen. Kurz und schmerzlos also. Kein Feedback, nichts. "Wir haben uns entschieden heute zwei Leute in die zweite Runde zu schicken. Das sind ein Junge und ein Mädchen." Das sind Mephisto und die Emilia Galotti, die anschließend noch singen musste.
Ja, okay. Wieder nichts. Ist okay. Wieder einmal bei Helena habe ich spätestens gemerkt, dass es nichts wird. Ja, jetzt beginnt wieder die Suche nach den Fehlern. Ich schiebe es einfach wieder auf Helena. Aber das ist jetzt nicht der richtige Zeitpunkt. 
Ich freue mich natürlich für die beiden. 
Wir waren so eine famose Runde heute. Besser als die anderen. Ich mag die Leute und was solls.
Dass Mephisto weiterkommt war auch irgendwie so klar. Er wollte es mir nicht glauben, war es doch sein erstes Vorsprechen. "Doooch, du kommst auf jeden Fall weiter man!", "Ach neein..."
Tja, sein Glück, dass wir um nichts gewettet haben. Um Geld zum Beispiel. Das könnte ich jetzt gebrauchen. 
5€ Für ein mittelmäßiges Mensaessen sind schon uncool. (Natürlich gibt es gerade jetzt kein besseres Thema als Essen. Natürlich nicht. Habe ich doch as usual die letzten Tage keinen Bissen herunterbekommen. Und ja, das wurde mir ein kleines Verhängnis beim Geburstag davor...)
Aber da saßen wir 4 in der Mensa. Mephisto und Emilia, ich und noch ein Gescheiterter.
Irgendwann waren nur noch Mephisto und ich. So sind wir wieder zurück nach Berlin gefahren. Einen Bus brauchte ich ja auch noch.

Auch wenn das Vorsprechen mal wieder nicht so, verlaufen ist, wie gewünscht, gut war es trotzdem. Ich habe tolle Leute kennengelernt, die man vielleicht an einer anderen Schule mal wiedersieht, neue Erkenntnisse gewonnen, die mal zu späterer Stunde ein Plätzchen in einem Eintrag finden sollen.
Und wenn ich die Uni auch noch so supertoll finde, ich mir teilweise durch den ganzen Leerlauf unsicher war, ob das denn noch mein Ding ist und ich es auch nicht dramatisch finde länger als zwei Semester dort zu sein und Romanistik vielleicht sogar zu ende zu studieren, habe ich gemerkt, dass die Bühne mein Platz ist.
 Egal wie, egal wann, aber Katha gehört auf die Bühne und nicht in den Hörsaal.

Montag, 23. November 2015

Der Kampf Nr. 4: Dieser Moment, wenn du wieder feststellst, dass du doch auf die Bühne und nicht in den Hörsaal gehörst (Teil 1)

Ich bin immer noch mega krass motiviert eeendlich wieder vorsprechen zu können.
Wieder einmal wache ich auf, denke, dass es schon so weit ist und sehe, dass es erst um 2 ist. Wieder gehe ich meine Texte durch.
Wieder wache ich auf und denke, dass es schon so weit ist und sehe, dass es erst halb 4 ist. Aber mir tut irgendwie mein Arm und mein Bein weh. Mensch, habe ich kacke gelegen, Hauptsache, mir tut nachher nicht alles weh...
Wieder wache ich auf und denke, dass es schon so weit ist. Jetzt ist es 6:55 Uhr. Okay, eeendlich kann ich wach bleiben und muss nicht wieder versuchen einzuschlafen.
Meine Gastgeberin hat sich eh den Wecker für 7:15 Uhr gestellt.
Extra meinetwegen steht sie mit mir so früh auf, weil Einraumwohnung und so.

Wieder merke ich, wie toll das ganze drumherum, um so ein Vorsprechen doch ist. Ich lerne mega tolle Leute kennen, bin in einer anderen Stadt (jaa naja, Berlin ist für mich mittlerweile alles andere als neu, aber trotzdem...), ich merke einfach, wie ich trotz der ganzen Aufregung und des ganzen Stresses eine superfamose Zeit habe.

Ich fahre in einer mega überfüllten RB nach Potsdam und mir ist mega schlecht. As usual.
Endlich bin ich da und quetsche mich durch den Gang. Die Schule habe auch sehr schnell gefunden.
Sooo wunderwunderschön ist diese. Sie erinnert mich total an unser Geisteswissenschaftliches Zentrum in der Heimat. So offen und futuristisch und trotz aller Offenheit total verwinkelt.
Es sind auch schon andere da, alle wieder sehr cool drauf.
Insgesamt waren wir dann 10. Nur wir, keine weiteren und wir waren die ersten, die für das kommende Wintersemster vorgesprochen haben.
Zwei Studenten haben uns durch die megafamosschöne Filmuni geführt uns gezeigt, wo wir uns umziehen können und dann haben wir ein Warm-up gemacht, bevor die beiden sehr sympathischen Dozenten zu uns gekommen sind, die uns heute prüfen sollen.
Einer für die Bühne, einer für die Kamera.
Dann begann das Prozedere wieder von vorne. Nach 8 Monaten stand ich also wieder vor einer Kommission in der Hoffnung, WENIGSTENS EIN MAL in die zweite Runde zu kommen.
Ich spielte Anouilhs Antigone. Das erste Mal. Ich fühlte mich sicher und meine Mitstreiter fanden mein Kostüm cool. Ja, solche kleinen Grashalme sucht man sich, wenn man wieder vollkommen nervös nach über einem halben Jahr da vorne steht und man vor den zwei emotionslosen Augenpaaren spielt, bei denen man nicht weiß, ob sie jetzt gelangweilt sind, genervt oder ob sie einen schon längst vergessen haben.
Ich wurde früher abgebrochen. Aber okay, ich fand es nicht so schlecht.
Die anderen sprachen. Mephisto, zwei Mal Emilia Galotti etwas antikes, Lady Milford und so weiter.
Dann war kurz Pause um uns umzuziehen. Helena. As usual.
ich spielte meine Szene, konnte sie zuende spielen und dann war es vorbei. Ich wurde nicht unterbrochen, mit mir wurde nicht gearbeitet. Es war einfach vorbei.
Jetzt kann ich nichts ändern. Mit einigen wurde gearbeitet, eine Emlia Galotti sollte noch singen. Einfach so aus der kalten. Mega nervös war sie und hatte 'nen Blackout. Mit Mephisto wurde gearbeitet und er sollte noch seine dritte Rolle vorspielen. Andere wiederrum wurden unterbrochen, so wie ich bei Antigone.
Das ist der Lauf der Dinge. Dann wurden wir rausgeschickt.